Digitalisierung in der dualen Ausbildung (DidA)

Über die Digitalisierung der Industrie wird schon lange gesprochen, ihre Einflüsse auf unseren Alltag werden ebenso immer stärker spürbar. Welche Auswirkungen die Digitalisierung in der Bildung hat, haben kann, haben sollte, wird in Fachkreisen ebenfalls schon seit geraumer Zeit diskutiert. Verschiedene Schulen in Rheinland-Pfalz haben sich auf den Weg gemacht, digitale Medien gezielt im Unterricht einzusetzen (Stichwort Tablet-Klasse).

Mit dem Projekt DidA gehen wir einen etwas anderen Weg: Digitale Verknüpfung der Lernorte Schule und Betrieb zur Steigerung der Wirksamkeit von Lehre und Ausbildung. Konkret arbeiten seit Beginn des Schuljahres 18/19 vier berufsbildende Schulen aus Ludwigshafen eng mit den dualen Partnern zusammen, um Ausbildungs- und Lehrinhalte gegenseitig transparent zu machen und sinnvolle Synergien zu nutzen. Eine davon ist die BBS N, die weiteren sind die BBS T1, T2 und die W1.

Die Ziele des Projekts:

  • Stärkung der Lernortkooperation und Vernetzung in der dualen Ausbildung
  • Umsetzung der teilnovellierten Ausbildungsordnungen zu den beruflichen Bildungsansprüchen in einer digitalen Welt
  • Entwicklung und Erprobung von pädagogischen Konzepten zur Individualisierung des Lernprozesses durch flexiblere Auswahl des Lernangebotes, des Lernortes und des Lernzeitpunktes
  • Ausweitung des selbstgesteuerten Lernens durch zeit- und ortsungebundene Bildungsangebote
  • Erhöhung der Transparenz und Wirksamkeit der Lernprozesse
  • (Weiter-)Qualifizierung von Lehrkräften und Ausbilderinnen bzw. Ausbildern in den Aspekten der digitalen Berufswelt
  • Erarbeitung eines Beratungs- und Fortbildungskonzeptes für Schulen bzw. Lehrkräfte im Bereich Digitalisierung in der beruflichen Ausbildung
  • Erstellung eines Transferkonzeptes für alle berufsbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz

Die Maßnahmen im Einzelnen:

  • Einrichtung einer gemeinsamen Austauschplattform für Schüler, Lehrer und Ausbilder; dabei knüpfen wir mit Open OLAT an die langjährigen und guten Erfahrungen der Hochschulen im Land an
  • Schaffung technischer Voraussetzungen für einen bereichsabdeckenden, kabellosen Austausch mit WLAN an den Lernstandorten Betrieb und Schule unter Wahrung datenschutzrechtlicher Rahmenbedingungen
  • Ausstattung der Lehrenden und Lernenden mit Endgeräten im Interesse einer Chancengleichheit für die Lernenden
  • Dokumentation der Unterrichtsinhalte in digitaler Form, die allen am Prozess Beteiligten online zur Verfügung steht. Dabei ist an Arbeitsblätter, Unterrichtsdokumentationen, berufliche Handlungsaufgaben, Portfolios, interaktive Lernprogramme oder Lernvideos gedacht. Die Lernzeit kann so individualisiert und weitgehend ortsunabhängig gestaltet werden
  • Fortbildungs- und Vernetzungsmaßnahmen für ein wirkungsvolles Unterrichten mit digitalen Medien aller Lehrenden und an der Ausbildung Beteiligten, ein Tandem-Mentoring in Schule und Betrieb sind angedacht. Geprüft wird auch die Möglichkeit der gemeinsamen Fortbildung der Lehrkräfte mit Ausbilderinnen bzw. Ausbildern, wie sie in der Fachkräftestrategie des Landes empfohlen wird
  • Wissenschaftliche Begleitung, z. B. durch die technische Universität Kaiserslautern, zur fachdidaktischen Umsetzung und Evaluation des Schulversuchs im Zeitraum der Einführung und Konsolidierung sowie einer Umsetzungsplanung in die Breitenanwendung (Transferkonzept)
  • Konzeption von Fortbildungen für alle Lehrkräfte in RLP durch das pädagogische Landesinstitut
  • Pilotschulen als Prototypen (z. B. im Rahmen der PL-Hospitationsschulen)

Der weitaus größte duale Partner ist die BASF SE. Ihre Erfahrungen in der Nutzung digitaler Endgeräte und Vernetzung der Nutzer kommt dem Projekt sehr zugute. Weitere Partner im Projekt sind das Bildungsministerium des Landes Rheinland-Pfalz mit einer erheblichen finanziellen Unterstützung und das pädagogische Landesinstitut. Ob eine Hochschule die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation übernimmt ist derzeit noch offen.
Das Pilotprojekt ist auf insgesamt 3 Jahre veranschlagt und endet offiziell im Sommer 2021.

Die Ausweitung der Tablet-Nutzung hat rapide zugenommen wie die nebenstehende Übersicht erkennbar macht. Inzwischen sind wir bei 30 Klassen mit durchgehender Ausstattung, nahezu alle Kolleginnen und Kollegen verfügen über ein Gerät, ähnliches gilt für die Ausbildungsbetreuerinnen und Betreuer in der BASF. Alleine an der BBS N sind rund 700 Tablets in Gebrauch, im gesamten GKB ist die Zahl von 1000 bereits überschritten. Das stellt enorme Herausforderungen an die technische Ausstattung vor Ort dar, angefangen bei der Verfügbarkeit des Internets und der Ausleuchtung in den einzelnen Klassenräumen bis hin zu Projektionsmöglichkeiten via Apple TV.
Da kein Artikel auf den Begriff „Corona“ verzichten kann, möchte ich die damit verbundenen Herausforderungen gerne in den Zusammenhang mit dem Projekt stellen.
Der Anspruch, in kürzester Zeit vom Präsenz- auf einen Online-Unterricht umzuschalten, ereilte uns alle in Lehre Tätigen Mitte März. Nachdem wir zu diesem Zeitpunkt bereits gute 18 Monate im Projekt waren, schien es uns eine Herausforderung, die zu bewältigen ist. Wer sollte es schaffen, wenn nicht wir?
Es musste zunächst die Erreichbarkeit aller per Mail und ein geordneter Datenaustausch sichergestellt werden – also holten wir alle Schülerinnen und Schüler auf Open OLAT. So konnten Aufgaben eingestellt werden, wir entwickelten ein Einsammel- und Rückgabesystem, das es erlaubte, im Bedarfsfall individuelle Rückmeldung zu erbrachten Leistungen zu geben. Was aber auch bedeutete, dass die Lehrkräfte alle Hände voll zu tun hatten, die Inhalte online zu stellen, die Ergebnisse einzusammeln und noch ein entsprechendes Feedback zu geben.
Nachdem diese Daten- und Nachrichtenkommunikation einigermaßen etabliert war, begannen Einzelne, via MS- Teams, einem Videokonferenzsystem, Unterrichtseinheiten online anzubieten. Die Lernenden wurden zu einem bestimmten Termin gemeinsam von der Lehrkraft eingeladen, jede/r konnte jede/n sehen und hören, der Bildschirm konnte von allen geteilt werden. So entwickelte sich das Lernangebot allmählich zu einem getakteten Unterricht, zunehmend angelehnt an den Stundenplan der Klasse. Die Schülerinnen und Schüler nahmen dieses Angebot sehr dankbar an, ja es hatte nach einer Eingewöhnungsphase fast den Charakter „normalen“ Unterrichts.
Diese Methode wird gegenwärtig von den wenigen Lehrkräften, die aufgrund von hohen Infektionsrisiken nicht im Präsenzunterricht arbeiten können, genutzt sowie auch von Schülerinnen und Schülern mit ähnlichen Voraussetzungen, die dem Präsenzunterricht von zu Hause beiwohnen müssen. Selbst bei der Beschulung halber Klassen funktioniert die Methode inzwischen weitgehend problemlos.
Fortbildungsangebote dazu gab es bereits im Jahr zuvor, diese wurden erheblich ausgebaut und liefen neben offiziellen Veranstaltungen meist informell, nachfrageorientiert und individuell. Es gibt inzwischen Expertinnen und Experten für bestimmte Teilgebiete, die angesprochen werden können und bei der Einrichtung und Nutzung helfen.
Darüber hinaus hat sich die Zusammenarbeit mit dem dualen Partner deutlich intensiviert. Videokonferenzen sind dabei ein sehr bequemes und wirkungsvolles Mittel, organisatorische und inhaltliche Absprachen zu treffen; es erspart mühevolle Anfahrtswege und erlaubt einen beliebig großen Teilnehmerkreis. Auch in Fragen der Anwendung digitaler Elemente in der Zusammenarbeit mit den Lernenden besteht ein reger Austausch und die Erfahrungen und das Fachwissen werden intensiv geteilt. So hat die aktuelle Situation die im Unterricht Aktiven zumindest virtuell näher zueinander gebracht.
Diese enge Zusammenarbeit zwischen den dualen Partnern lässt sich leider nicht in gleichem Umfang auf die Partner neben der BASF übertragen. Zwar nahmen Einzelne dieses Kreises die Fortbildungsangebote wahr, es ist aber bisher nicht gelungen, gemeinsame Entwicklungsziele digitalen Unterrichts zu vereinbaren; die technischen und organisatorischen Voraussetzungen der Ausbildung sind einfach zu unterschiedlich. Diese Erkenntnis legt eine vorwiegende Übertragbarkeit unserer Erfahrungen der Zusammenarbeit mit der BASF auf andere berufsbildende Schulen mit ähnlichen großen dualen Partnern (Daimler, Boehringer, Schott) nahe.
Ein weiterer wichtiger Meilenstein dieses Jahres ist die Etablierung einer wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation durch den Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik, –Design und Evaluation instruktionaler Systeme der Universität Mannheim. In fünf verschiedenen Leistungspaketen sind die verschiedenen Arten der Analyse detailliert vereinbart und werden bis Ende 2022 durchgeführt und ausgewertet sein. Eine solche Begleitung ist sehr wertvoll und das Ergebnis der engen Zusammenarbeit von BASF und dem Bildungsministerium Rheinland-Pfalz, die ihre Evaluationsschwerpunkte in diese wissenschaftliche Arbeit eingebracht haben.
Auch wenn der Schulversuch im Sommer 2021 offiziell zu Ende geht, wird sich die Dynamik der Entwicklung nicht mehr aufhalten lassen. Die Zeit danach wird mit großer Wahrscheinlichkeit für den Übergang in einen Regelbetrieb genutzt und hart erarbeitete Unterrichtsmethoden unter Verwendung digitaler Medien werden in eine Konsolidierung und Weiterentwicklung überführt werden. Sicherlich gibt es auch in der kommenden Ausgabe zu diesem Thema Interessantes zu berichten.

So stellen sich die Arbeitsbereiche der Schulentwicklung zu Beginn des Jahres 2021 wie folgt dar:

Die Sicherung der fachlichen Kompetenz ist uns vor dem Hintergrund einer hohen Personal-Fluktuation zunehmend wichtig geworden. Gerade ausscheidende Kolleginnen und Kollegen hinterließen in der Vergangenheit häufig so große Kompetenzlücken, dass wir dieser Herausforderung zukünftig durch systematische fachliche Fortbildungen in den Berufsgruppen begegnen möchten. Einzelheiten dazu werden in den Berufs- und Fachkonferenzen bis zu den Sommerferien 2021 erarbeitet werden.

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